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Oolong-Herstellung

Eric Scott erklärt hier bei Teageek sehr ver­ständ­lich und aus­führ­lich, wie Oolong-Tees her­ge­stellt wer­den — und zwar nicht nur die hand­werk­li­che Sei­te, son­dern auch, wel­che bio­che­mi­schen Reak­tio­nen dabei (ver­mut­lich) in den Tee­blät­tern pas­sie­ren. Und er beschreibt, war­um Oolong des­halb nicht ein­fach ein Tee zwi­schen Grü­nem Tee und Schwar­zem Tee ist. Und er hat zumin­dest eine Hypo­the­se, war­um Oolongs so gut — oft so fruch­tig und inten­siv — schme­cken:

Many of the flo­ral or frui­ty aro­mas of oolong teas that make them so allu­ring might be pro­du­ced “from scratch” by living cells in tea lea­ves during the slow, metho­di­cal pro­ces­sing of oolong teas. The fact that oolong lea­ves are ali­ve (and stres­sed) for lon­ger than green or black teas is what makes them more than just “mid-oxi­di­zed”. -Eric Scott

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Tee-Erlebnis

Eigent­lich woll­te ich heu­te nach­mit­tag nur rasch ein paar feh­len­de Tees in mei­nem per­sön­li­chen Lager wie­der ergän­zen (unter ande­rem fehl­te mir Lap­sang Suchong). Doch dann durf­te ich ganz unver­hofft in dem sehr emp­feh­lens­wer­ten Tee­la­den in mei­ner Nach­bar­schaft, dem Gu-Tee-Haus, noch an einer Tee­ze­re­mo­nie teil­neh­men. Und dabei den bes­ten Tee kos­ten, den ich bis­her je getrun­ken habe. Die Inha­be­rin berei­te­te den Oolong, eine beson­de­re Qua­li­tät eines Stein­tees aus pri­va­tem Import, für mich und einen ande­ren Besu­cher in einer „Gong­fu Cha“-Zeremonie zu. Das allein war schon sehr span­nend und lehr­reich, habe ich die­sen zere­mo­ni­el­len Auf­wand einer Oolong-Zere­mo­nie doch noch nie selbst erlebt. Ein Ereig­nis war aber vor allem der Tee selbst. Das war mit Abstand der bes­te Tee, den ich über­haupt getrun­ken habe: Von gro­ßer Inten­si­tät und Sanft­heit, der Geschmack bleibt noch lan­ge, lan­ge nach dem Trin­ken auf der Zun­ge und im Mund. Selbst das hei­ße Was­ser, das zwi­schen den Auf­güs­sen zum Neu­tra­li­sie­ren gereicht wur­de, hat­te dadurch noch deut­li­chen Tee­ge­schmack. Und ein leb­haf­tes Gespräch über die Unter­schie­de zwi­schen chi­ne­si­scher und euro­päi­scher Phi­lo­so­phie, die Fas­zi­na­ti­on grie­chi­scher Mythen und die Mög­lich­kei­ten deut­scher und chi­ne­si­scher Lyrik und ihre Rezep­ti­on taten ein übri­ges. Fein, wenn sol­che Din­ge ein­fach so pas­sie­ren …

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Schwarzer Drache aus Formosa

Und noch ein Oolong-Tee: Der „Black Dra­gon“ aus For­mo­sa in geheim­nis­vol­ler „Superior“-Qualität. Sehr gut ist er auf jeden Fall, mit „supe­ri­or“ wäre ich aber etwas vor­sich­ti­ger. Der „Black Dra­gon“ riecht schon tro­cken bei klei­nem, dunk­len Blatt sehr wür­zig, nach Leb­ku­chen und Honig­ge­bäck. Das bleibt auch in der Tas­se so: Im satt gefärb­ten, inten­si­ven Braun ver­strömt er einen süßen und betö­ren­den Duft, exo­tisch und weih­nacht­lich zugleich (zumin­dest in mei­ner Asso­zia­ti­on …). Auf­fal­lend ist vor allem die Inten­si­tät des Duf­tes — weni­ge (unpar­fü­mier­te) Tees rie­chen auf­ge­gos­sen so stark und lieb­rei­zend wie die­ser.
Er schmeckt auch aus­gzeich­net: Schön fül­lig, kräf­tig, mit nus­si­ger Würz­no­te, ohne irgend­wel­che gro­ßen Spe­renz­chen oder Beson­der­hei­ten, rund und gefäl­lig. Der ers­te Schluck ist nach dem olfak­to­ri­schen Hoch­ge­nuss fast eine Ent­täu­schung. Das täuscht aber selbst wie­der­um: Der Black Dra­gon braucht nur einen Moment, sei­ne Stär­ken aus­zu­spie­len. Dann ist er da, unkom­pli­ziert und ein­fach rund­um lecker. Im zwei­ten Auf­guss sogar — auch wenn der Duft schwä­cher wird — noch ein biss­chen bes­ser, wie es sich für einen Oolong gehört …

Tee: For­mo­sa Oolong Black Dra­gon (von tea’s finest)
Zube­rei­tung: ca. 17 Gramm für 1,5 Liter 85 °C hei­ßes Was­ser, etwa 1:45 Minu­ten zie­hen las­sen; beim zwei­ten Zie­hen ca. zwei Minu­ten

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Alle vier Jahreszeiten in einem Tee

Es gibt ja schon die selt­sams­ten Tees. Heu­te habe ich einen viet­na­me­si­schen Oolong in der Tee­scha­le, der den Namen „Four Sea­sons“ trägt. Nicht, weil er für das so benann­te Hotel pro­du­ziert wur­de. Son­dern weil er von alten Tee­bü­schen stammt, die mehr­mals (6−8 mal) im Jahr geer­net wer­den, wor­aus dann ent­spre­chend — bei Ern­te zu Beginn aller Jah­res­zei­ten, die also vier Früh­lings­ern­ten ent­spricht — der „Vier Jahreszeiten“-Oolong ent­steht.

Schon im ers­ten Auf­guss ist der kla­re, hel­le, zwi­schen gelb und leicht bräun­li­chem grün chan­gie­ren­de Tee mit sei­nem fruch­ti­gen Duft sehr nuan­cen­reich. Weich und durch­aus etwas blu­mig gefällt er mit sei­ner unkom­pli­zier­ten Fül­le und bleibt unauf­dring­lich aus­ge­wo­gen.

Der zwei­te Auf­guss ist dann — natür­lich und erwar­tungs­ge­mäß — etwas kräf­ti­ger: Schon die Far­be zeigt deut­lich mehr Prä­senz und Sät­ti­gung. Der Tee­ge­schmack ver­schiebt sich etwas vom blu­mi­gen zu eher fri­schen krau­ti­gen Noten, bleibt aber wei­ter­hin wun­der­bar weich und voll.

In inten­si­vem gold­braun strahlt der drit­te Auf­guss, den ich etwas län­ger zie­hen ließ. Der Geschmack lässt aller­dings nach — deut­lich fla­cher als die ers­ten bei­den Auf­güs­se, kaum noch eine Spur von dem schö­nen Zusam­men­spiel viel­fäl­ti­ger Aro­men …

Tee: Oolong Viet­nam Four Sea­sons
Zube­rei­tung: 1. Auf­guss bei 85 °C, 20 Gramm für 1,5 Liter und knap­pe 2 Minu­ten Zieh­zeit; 2. Auf­guss etwa 80 °C, ca. 1:45 Minu­ten; 3. Auf­guss bei 80 °C und ca. 3 Minu­ten Zieh­zeit

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Oolong Gui Hua Sweet Osmanthus

Den Namen des Tees muss man erst ein­mal aus­ein­an­der­neh­men: Oolong Gui Hua Sweet Osmanthus. Also ein Oolong aus der süd­chi­ne­si­schen Pro­vinz Guan­gxi. Der Zusatz „Sweet Osmanthus“ ver­weist auf eine ande­re Pflan­ze, die auf deutsch den wenig über­ra­schen­den Namen „Süße Duft­blü­te“ trägt. Fei­ne gel­be Blü­ten sind das, die den Oolong durch­zie­hen.

osmanthus, tee

Die Tee- & Blü­ten­blät­ter vor dem Auf­guss

Und dann natür­lich die gro­ße Fra­ge: Schmeckt man das? Kann man das trin­ken? „Pfir­sich­ge­schmack“ nennt der Händ­ler das, aber das trifft es nur sehr unge­fähr. Die Osmanthus­blü­ten haben einen ganz eige­nen Duft und einen ganz eige­nen Geschmack. Zunächst fand ich bei­des eher gewöh­nungs­be­dürf­tig, aber dann auch sehr apart und ange­nehm über­zeu­gend. Vor dem Auf­guss, direkt aus der Tüte, ver­strö­men die Osmanthus­blü­ten einen eher abschre­cken­den Geruch wie etwa ein über­rei­fer Pfir­sich (oder eine gan­ze Men­ge davon …) — nicht gera­de sehr ver­lo­ckend … Das ändert sich mit dem Auf­guss (ca. zwei Minu­ten bei knapp 90 °C hei­ßem Was­ser) aber voll­kom­men. Die sat­te gold­gel­be Tas­se ver­strömt nun einen sehr ver­füh­re­ri­schen, süßen fruch­ti­gen Duft — kaum zu glau­ben, dass das Tee sein soll! Denn aus der Mischung von einem nur leicht anfer­men­tier­ten grü­nen Tee, der hin­ter den Osmanthus­blü­ten unkom­pli­ziert zurück­tritt, mit eben­die­sen aro­ma­ti­schen Blü­ten ensteht ein duf­tig-fei­ner, sehr leich­ter, aro­ma­ti­scher und bekömm­li­cher Tee. Den muss ich nicht unbe­dingt jeden Tag trin­ken, aber für einen ent­spann­ten Sonn­tag Nach­mit­tag ist das genau das rich­ti­ge: Etwas beson­de­res, fei­nes und wohl­schme­cken­des …

Tee: Oolong Gui Hua Sweet Osmanthus von tea’s finest
Zube­rei­tung: 18 Gramm für 1,5 Liter bei 90° C, 2 Minu­ten Zieh­zeit

osmanthus, tüte

Der Osmanthus-Oolong in der Tüte