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Reistee: Watanabe Genmaicha

Ein selt­sa­mer Tee ist das: Ein japa­ni­scher grü­ner Tee, der mit gerös­te­tem Natur­reis gemischt wird. „Gen­mai“ ist der japa­ni­sche Begriff für Natur­reis, Gen­maicha der Tee, der eine kurio­se Geschich­te hat (so sie denn stimmt: bei Wiki­pe­dia nach­le­sen).

Mein Fall ist das aller­dings nicht so recht. Das scheint durch­aus ein guter Tee zu sein — von Watan­a­be gibt es auch ande­re aus­ge­zeich­ne­te grü­ne Tees -, die star­ken Röst­aro­men des Reis über­de­cken mir den Tee aber zu stark. Die Süße des grü­nen Tees wird dadurch erheb­lich in den Hin­ter­grund gedrängt, ja fast kaum noch schmeck­bar. Und das ist dann doch scha­de. Trotz sei­ner sehr hel­len Tas­se, auch beim zwei­ten und drit­ten Auf­guss noch (wird aber etwas kräf­ti­ger), ist das ein ziem­lich kräf­ti­ger, süß­lich-wei­cher Tee. Den ers­ten Auf­guss muss ich eher über­win­den als ich ihn genie­ßen kann, der drit­te und vier­te Auf­guss wer­den dann aber rich­tig gut — dann kommt näm­lich der eigent­li­che Tee mit sei­ner inten­si­ven Süße deut­lich stär­ker zur Gel­tung

Tee: Watan­a­be Pre­mi­um Gen­maicha von Pure-Tea
Zube­rei­tung: 1–2 fla­che Tee­löf­fel (ca. 8 Gramm) für ca. 250 ml 70 °C hei­ßes Was­ser, beim ers­ten Mal 45–60 Sekun­den zie­hen las­sen, danach nur noch 10 Sekun­den Zieh­zeit.

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Marimo Karigane

Marimo Karigane

Mari­mo Kari­ga­ne in sei­ner Ver­pa­ckung

Der Name die­ses grü­nen Tees aus Japan ist die ers­te Her­aus­for­de­rung: Wie heißt der nun eigent­lich? Mari­mo Kari­ga­ne Pre­mi­um Kuki­cha steht auf der Packung. Die Web­sei­te mei­nes Händ­lers wirft noch Kari­ga­ne-Cha und Chu­mu­shi-Cha dazu — alles Bezeich­nun­gen, die die beson­de­re Her­stel­lung des Tees beschrei­ben sol­len. Denn die­ser Grün­tee in Bio-Qua­li­tät von der Tee­plan­ta­ge der Fami­lie Haya­shi in der japa­ni­schen Prä­fek­tur Mie wird im Früh­jahr als First Flush geern­tet (also die ers­te Ern­te zu Beginn des Mais), dann aber län­ger als sonst bei grü­nen Tees üblich gedämpft. Außer­dem wer­den noch Stän­gel und Blät­ter des Tees getrennt. Kari­ga­ne sind dann nur noch die Blatt­stie­le — man­che grün­lich, man­che fast weiß. Und was da an Geschmack her­aus kommt, ist erstaun­lich — so ganz ohne die eigent­li­chen Tee­blät­ter …

Iwao Hayashi

Iwao Haya­shi in sei­nem Tee­gar­ten, aus dem der Mari­mo Kari­ga­ne stammt

Die Tas­se ist etwas mil­chig-trüb, bei einem eher blas­sen Grün, das nicht sehr strah­lend auf­tritt. Das liegt wohl am län­ge­ren Dämp­fungs­pro­zess. Duf­ten tut der Mari­mo Kari­ga­ne nur sehr zurück­hal­tend und eher unspe­zi­fisch. Dafür schmeckt er rich­tig gut: Sehr frisch ist die­ser Tee, in sei­nem Geschmack nicht so sehr fruch­tig, son­dern eher krau­tig (aber, das ist mir wich­tig (weil ich das nicht so sehr mag), dabei nie gra­sig). Trotz (oder wegen?) des fri­schen Ein­drucks, den der Mari­mo Kari­ga­ne hin­ter­lässt, hat er auch eine recht raf­fi­nier­te Mischung aus voll­mun­di­gem und leich­tem Geschmack: Zugleich weich und fül­lig, frisch und sam­tig schmeckt er und bleibt ganz frei von Bit­ter­stof­fen. Beson­ders inten­siv ist er aber nicht — ande­re Tees haben deut­lich mehr Tie­fe.

Tee: Mari­mo Kari­ga­ne Pre­mi­um Kuki­cha
Zube­rei­tung: ca. 4 Gramm im Sei­ten­griff­känn­chen, 70 °C war­mes Was­ser, der ers­te Auf­guss ca. 60 Sekun­den, Auf­guss 2 und 3 nur knapp 10 Sekun­den Zieh­zeit

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Diamantblätter

Neu­er Tee! End­lich ist es mal wie­der so weit, ein gro­ßes Paket von Kolod­ziej & Lie­der konn­te ich heu­te bei der Post abho­len. Und lau­ter fei­ne Din­ge sind da drin, so dass ich kaum weiß, womit ich anfan­gen soll 😉

Also war heu­te der „Kabu­se Dia­mond Leaf“ aus der Prä­fek­tur Kago­shi­ma in der süd­lichs­ten Spit­ze von Japan dran. Das ist grü­ner Tee, der ganz schick in einer luft­dicht ver­sie­gel­ten Dose ver­kauft wird. Der Name — Kabu­se — weist schon dar­auf hin: Das ist ein Tee, der im Anbau beschat­tet (Halb­schat­ten) wird. Und die­se Vari­an­te wird noch dazu — so ver­spricht die Wer­bung — beson­ders selek­tiv und auch ver­gleichs­wei­se früh, näm­lich in der ers­ten April­hälf­te, geern­tet.

Unver­gess­li­ches Aro­ma hat der Händ­ler mir ver­spro­chen — und das stimmt. Das ist einer die­ser groß­ar­ti­gen japa­ni­schen Tees, die ganz unschein­bar daher­kom­men, aber raf­fi­niert und tief­grün­dig sind. Schon die fei­nen grü­nen Blät­te ver­strö­men aus der Dose einen inten­si­ven fruch­ti­gen Duft, der die Span­nung auf die Tas­se noch erhöht. Knapp 60 Sekun­den spä­ter ist klar: Der Tee ist wirk­lich so lecker, wie er riecht. Der ers­te Auf­guss bei ca. 65 °C, wie es sich gehört, in der Sei­ten­griff­kan­ne, durf­te eine knap­pe Minu­te zie­hen und bringt so eine hel­le Tas­se, die aber stark duf­tet, her­vor. Dabei — und das ist ja fast immer das Zei­chen beson­ders guten Tees — drängt sich kein ein­zel­nes Aro­ma her­vor. Statt­des­sen zeigt der Kabu­se sich sei­nes Namens wirk­lich wür­dig: Dia­man­ten­qua­li­tät sozu­sa­gen, von hoher Rein­heit und Eben­mä­ßig­keit. Die fol­gen­den Auf­güs­se sind — bei wesent­lich kür­ze­ren Zieh­zei­ten — erwar­tungs­ge­mäß etwas kräf­ti­ger, dann auch robus­ter und hand­fes­ter. Ich fin­de es ja immer wie­der span­nend, wie so ein Tee sich vom ers­ten zum vier­ten oder fünf­ten Auf­guss hin ver­än­dert, wie ein paar Sekun­den mehr oder weni­ger einen deut­li­chen Unter­schied machen kön­nen und manch­mal sogar ein ganz neu­en Tee her­vor­brin­gen. Mit den Dia­mant­blät­tern des „Kabu­se Dia­mond Leaf“ wer­de ich sicher­lich noch viel sol­chen Spaß haben …

Tee: Kabu­se Dia­mond Leaf, Japan Kago­shi­ma (Kei­ko)
Zube­rei­tung: 65 °C war­mes Was­ser, ca. 1 fla­cher Tee­löf­fel in die Sei­ten­griff­kan­ne, der 1. Auf­guss mit 60 Sekun­den, Auf­güs­se 2–4 mit 15–20 Sekun­den Zieh­zeit.

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Höchster Teegenuss: Shincha Yame Supreme

Shincha Yame Supreme, Verpackung

Shin­cha Yame Supre­me, Ver­pa­ckung

Der Shin­cha Yame Supre­me der Ern­te 2012 (von Kolod­ziej & Lie­der bezo­gen) sieht aus wie Gras­schnitt, ist auch ganz weich und fein — mit „nor­ma­lem“ Tee hat das nichts zu tun. Shin­chas sind die aller­ers­ten Pflü­ckun­gen der japa­ni­schen grü­nen Tees, die in Japan — wohl auch auf­grund ihrer klei­nen Pro­duk­ti­ons­men­ge — sehr beliebt sind. Die Fri­sche der ers­ten Pflü­ckung ist das Beson­de­re die­ser Tees. Süß­lich riecht schon der tro­cke­ne Tee, und so schmeckt er dann auch: Süß und fruch­tig, fein und edel.

Shincha Yame Supreme, Kanne

Der Tee in der Kan­ne

Mein ers­ter Ver­such war etwas stark dosiert, der ers­te Auf­guss wur­de etwas streng. Aber beim zwei­ten Auf­guss war es schon bes­ser. Das Blatt die­ses Shin­chas, der von der japa­ni­schen Insel Kyus­hu kommt, ist aber so fein, dass der Tee kaum aus der Kan­ne abläuft — das ergibt fast so etwas wie einen Matsch in der Kan­ne, der das Netz vor dem Aus­guss zusetzt. Auf jeden Fall ein ech­tes Aben­teu­er und für einen Schwarz­tee­trin­ker wie mich — und ein ech­ter Genuss …

Shincha Yame Supreme, Zubereitung

Die Zube­rei­tungs-Emp­feh­lung

Tee: Shin­cha Yame Supre­me, Ern­te 2012, von Kolod­ziej & Lie­der
Zube­rei­tung: ca. 4 Gramm (das ist aber fast schon zu viel) in der klei­nen Sei­ten­griff­kan­ne, 80 °C hei­ßes Was­ser, beim ers­ten Auf­guss 80 Sekun­den, beim zwei­ten Mal nur zehn Sekun­den
Shincha Yame Supreme

Tas­se und nas­se Blätter/Sud nach dem zwei­ten Auf­guss